Die richtige USV für Ihr NAS
Nehmen Sie eine line-interaktive USV mit reinem Sinus und 500 bis 650 VA. Das genügt für ein NAS mit 40 bis 60 W mit großem Abstand, denn Sie wollen keine Stunden überbrücken, sondern nur zwei bis fünf Minuten für ein sauberes Herunterfahren. Der reine Sinus ist dabei nicht optional: Moderne Netzteile mit aktiver PFC verweigern häufig die Zusammenarbeit mit einer simulierten, stufigen Sinuskurve.
Warum ein NAS eine USV braucht
Ein NAS hält Schreibvorgänge im Arbeitsspeicher, bevor sie auf den Platten landen. Fällt der Strom mitten in diesem Fenster aus, fehlen dem Dateisystem Daten, die es für geschrieben hielt. Im harmlosen Fall verlieren Sie die letzte Datei. Im unangenehmen Fall ist der Verbund inkonsistent und Sie verbringen einen Abend mit Reparaturwerkzeugen.
ZFS ist gegen genau dieses Szenario gut gerüstet, weil es transaktional schreibt und auf der Platte immer einen konsistenten Zustand hinterlässt. Gut gerüstet heißt aber nicht immun, und ein Paritäts-Verbund, dem mitten im Wiederherstellen der Strom weggenommen wird, ist in einer Lage, in die Sie ihn nicht bringen wollen. Dazu kommen Spannungsspitzen und Unterspannungen, die Netzteile und Elektronik über die Jahre still zermürben.
Reiner Sinus ist Pflicht
Die wichtigste Eigenschaft beim Kauf ist nicht die VA-Zahl, sondern die Kurvenform im Batteriebetrieb. Billige USV-Geräte geben eine simulierte, treppenförmige Näherung an eine Sinuskurve aus. Jedes moderne PC-Netzteil arbeitet mit aktiver PFC, und diese Schaltungen kommen mit der stufigen Kurve oft nicht zurecht: Das Netzteil brummt, schaltet ab, oder die USV geht in den Überlastschutz. Genau in dem Moment, in dem sie ihren einzigen Zweck erfüllen sollte.
Achten Sie deshalb auf die Angabe "reiner Sinus" für den Batteriebetrieb. Line-interaktive Geräte mit dieser Eigenschaft sind der richtige Kompromiss aus Preis und Funktion. Online-USV-Geräte mit doppelter Wandlung sind technisch überlegen, für ein Heim-NAS aber überdimensioniert, teuer und laut.
Welche VA-Zahl Sie brauchen
USV-Geräte werden in Voltampere angegeben, Ihr NAS verbraucht Watt. Die Umrechnung läuft über den Leistungsfaktor. Als Faustregel gilt: VA entspricht ungefähr Watt geteilt durch 0,6.
Ein NAS mit 60 W braucht danach rechnerisch etwa 100 VA, also 60 / 0,6 = 100. Mit Reserve landen Sie bei 100 bis 150 VA. Solche Geräte gibt es praktisch nicht zu kaufen: Die kleinste sinnvolle Baugröße mit reinem Sinus liegt bei 500 bis 650 VA. Genau die kaufen Sie also, und der Überschuss ist kein Fehler, sondern schenkt Ihnen komfortable Laufzeitreserven. Rechnen Sie mit 90 bis 150 € für ein passendes Gerät.
Wichtig ist der Denkfehler, den viele machen: Sie kaufen keine USV, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Sie kaufen sie, um kontrolliert herunterzufahren. Zwei bis fünf Minuten Überbrückung genügen dafür vollständig. Wer stundenlang weiterlaufen will, zahlt für Batteriekapazität, die er nie sinnvoll nutzt.
Line-interaktiv, offline oder online
Es gibt drei Bauarten, und für ein NAS ist nur eine davon richtig.
- Offline-USV (auch Standby-USV): die billigste Bauart. Sie schaltet erst bei Ausfall auf Batterie um und braucht dafür einige Millisekunden. Sie regelt Spannungsschwankungen nicht aus und gibt meist nur eine simulierte Sinuskurve aus. Für ein NAS ungeeignet.
- Line-interaktive USV: die richtige Wahl. Sie gleicht Über- und Unterspannungen laufend über einen Transformator aus, ohne dafür die Batterie anzufassen, und schaltet bei einem echten Ausfall schnell genug um. Mit reinem Sinus ist das die Bauart, die Sie kaufen.
- Online-USV mit doppelter Wandlung: technisch die beste Lösung, denn das Gerät erzeugt die Ausgangsspannung permanent neu, es gibt gar keine Umschaltzeit. Für ein Rechenzentrum richtig, für ein Heim-NAS überdimensioniert, teuer, laut und im Dauerbetrieb selbst ein Stromfresser.
Anschließen und Herunterfahren einrichten
Eine USV, die nicht mit dem NAS spricht, ist eine halbe USV: Sie überbrückt zwar den Ausfall, aber wenn die Batterie leer ist, geht das Licht trotzdem hart aus. Verbinden Sie deshalb das USB-Kabel der USV mit dem NAS.
Synology DSM, TrueNAS und Unraid sprechen alle NUT (Network UPS Tools). In DSM aktivieren Sie die USV-Unterstützung in der Systemsteuerung unter Hardware und Energie und stellen ein, nach wie vielen Minuten im Batteriebetrieb das Gerät in den abgesicherten Modus geht. In TrueNAS richten Sie den USV-Dienst ein und wählen den passenden Treiber, meist usbhid-ups. Unraid nutzt in der Regel das NUT- oder APC-Plugin.
- Stellen Sie den Auslöser lieber früh: Herunterfahren nach zwei Minuten im Batteriebetrieb oder bei unter 50 Prozent Restkapazität.
- Testen Sie es. Ziehen Sie den Netzstecker der USV und schauen Sie zu, ob Ihr NAS sich tatsächlich sauber verabschiedet. Eine ungetestete USV-Konfiguration ist eine Vermutung, kein Schutz.
- Hängen Sie nur NAS und Netzwerktechnik an die USV, nicht Drucker oder Monitore. Die fressen Ihnen die Laufzeit weg.
- Batterien altern. Nach drei bis fünf Jahren ist ein Wechsel fällig, auch wenn das Gerät noch normal arbeitet.
Weiterlesen
Häufige Fragen
Braucht ein NAS wirklich eine USV?
Wenn Ihnen die Daten wichtig sind: ja. Ein Stromausfall während eines Schreibvorgangs kann das Dateisystem beschädigen, und ein Ausfall mitten im Wiederherstellen eines Verbunds ist besonders unangenehm. ZFS ist robust, aber nicht immun.
Wie viel VA braucht eine USV für ein NAS?
Rechnerisch VA gleich Watt geteilt durch 0,6, ein NAS mit 60 W braucht also rund 100 VA. Da es so kleine Geräte mit reinem Sinus praktisch nicht gibt, kaufen Sie eine USV mit 500 bis 650 VA. Das ist die kleinste sinnvolle Baugröße.
Warum brauche ich eine USV mit reinem Sinus?
Alle modernen Netzteile haben aktive PFC, und die kommt mit der simulierten, stufigen Sinuskurve billiger USV-Geräte oft nicht zurecht. Das Netzteil schaltet dann im Batteriebetrieb schlicht ab, also genau dann, wenn es nicht soll.
Wie lange muss eine USV das NAS am Laufen halten?
Nur so lange, wie das saubere Herunterfahren dauert. Zwei bis fünf Minuten genügen. Eine USV ist kein Notstromaggregat, und Batteriekapazität für Stundenbetrieb ist verschwendetes Geld.
Wie fährt mein NAS bei Stromausfall automatisch herunter?
Über das USB-Kabel und das Protokoll NUT (Network UPS Tools). Synology DSM, TrueNAS und Unraid unterstützen es alle. Stellen Sie das Herunterfahren nach zwei Minuten im Batteriebetrieb ein und testen Sie es einmal, indem Sie den Netzstecker der USV ziehen.

Markus Brandt betreut bei nas-rechner.de den Bereich Heimserver-Hardware und Effizienz – vom passenden Netzteil über die USV bis zur Frage, was ein NAS im Dauerbetrieb wirklich verbraucht. Er schreibt auch bei pcbau-rechner.de über Netzteile und Effizienz.