Nas-Rechner

NAS selbst bauen: die vollständige Anleitung

Porträt von Markus BrandtVon Markus Brandt · Redaktionell geprüft von Sabine Hoffmann · Aktualisiert
Kurz und knapp · Stand 29. August 2026

Ein solides Selbstbau-NAS besteht aus einem Mainboard mit Intel N100 und sechs SATA-Ports, 16 GB SO-DIMM, einer kleinen SSD als Systemlaufwerk, einem Gehäuse mit vier bis sechs Schächten, einem Markennetzteil und CMR-Festplatten. Ohne Festplatten landen Sie bei rund 300 bis 450 €, und der Aufbau dauert einen Nachmittag. Die teuerste Entscheidung sind nicht die Bauteile, sondern die Festplatten: Sie bestimmen Kapazität, Lautstärke und rund zwei Drittel des Stromverbrauchs.

Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

Was ein NAS von einem normalen PC unterscheidet

Ein NAS läuft im Dauerbetrieb, und das ändert jede einzelne Kaufentscheidung. Eine Komponente, die 20 W mehr zieht, kostet Sie bei 35 Cent/kWh rund 60 € pro Jahr, und zwar jedes Jahr. Eine Festplatte, die im Desktop völlig unauffällig wäre, kann in einem Paritäts-Verbund beim Wiederherstellen komplett zusammenbrechen.

Daraus folgen drei Regeln, die den Rest der Teileliste bestimmen. Erstens: Niedriger Leerlaufverbrauch schlägt Spitzenleistung, denn Ihr NAS verbringt 95 Prozent seiner Lebenszeit im Leerlauf. Zweitens: genug SATA-Ports von Anfang an, weil nachträglich gekaufte Controller-Karten teuer sind und zusätzlich Strom ziehen. Drittens: ausschließlich CMR-Festplatten, niemals SMR.

Die Teileliste im Detail

Mainboard mit CPU
Board mit Intel N100 und sechs SATA-Ports
Intel N100, 6 W TDP, vier Kerne, sechs SATA-Ports vom Chipsatz. Die Plattform zieht im Leerlauf 10 bis 15 W.
Arbeitsspeicher
KAUFAST 16GB DDR4 2133MHz SO-DIMM Laptop RAM 1.2V CL15 2Rx8 PC4-17000 Dual Rank 260-Pin Notizbuch Arbeitsspeicher Speicher für Laptop KF2133D4S-16G
Ein einzelner Riegel, offiziell bis 16 GB. ECC gibt es beim N100 nicht.
Systemlaufwerk
NVMe oder SATA-SSD mit 120 bis 256 GB
Nur für das Betriebssystem. Kein USB-Stick: TrueNAS SCALE unterstützt das nicht mehr sinnvoll.
Gehäuse
Fractal Design Node 804 - Black - Compact Computer Case - mATX - High Airflow - Modular Interior - Metal - 3X Silent R2 120mm Fans Included - Water-Cooling Ready - USB 3.0 - Window Side Panel
Entkoppelte Laufwerkskäfige und ein langsam drehender 120-mm-Lüfter direkt vor den Festplatten.
Netzteil
be quiet! System Power 11 450W Netzteil, ATX 3.1-Netzteil, volle Unterstützung für PCIe 5.1 GPUs, 120mm be quiet! Lüfter, Starke 12V-Leitung, DC/DC-Wandler, 80 Plus® Bronze Effizienz
Entscheidend ist der Wirkungsgrad bei geringer Last: Ihr NAS zieht dauerhaft nur 40 bis 60 W.
Festplatten
NAS-Festplatten mit CMR
Der eigentliche Kostenblock. Sie wählen nach Preis pro Terabyte, nicht nach Preis pro Laufwerk.

Gesamtkosten ohne Festplatten: ab 234 € (3 von 5 Teilen mit Live-Preis; für die übrigen führt der Karten-Link zur Amazon-Suche)

Warum genau diese Teile? Die Begründung im Einzelnen:

Mainboard mit CPU: Ein Board mit fest verlötetem Intel N100 ist 2026 die Standardantwort für den Heimgebrauch. 6 W TDP, vier Kerne, und die verbreiteten Boards bringen sechs SATA-Ports direkt mit. Mainboard, Arbeitsspeicher und Systemlaufwerk zusammen ziehen im Leerlauf typischerweise 10 bis 15 W. Rechnen Sie mit 130 bis 190 €.

Arbeitsspeicher: Der N100 nimmt ein einzelnes SO-DIMM (DDR4 oder DDR5, je nach Board), offiziell bis 16 GB. Manche Boards akzeptieren inoffiziell 32 GB, verlassen Sie sich aber nicht darauf. ECC gibt es beim N100 nicht. 16 GB kosten rund 35 bis 55 € und reichen für ein Datei-NAS mit Docker locker aus.

Systemlaufwerk: Eine kleine SATA-SSD oder NVMe mit 120 bis 256 GB, rund 20 bis 35 €. Booten Sie nicht von einem USB-Stick. TrueNAS SCALE unterstützt das nicht mehr sinnvoll, und Sticks sterben im Dauerbetrieb.

Gehäuse: der Posten mit der größten Preisspanne. Ein schlichter Midi-Tower für vier bis sechs 3,5-Zoll-Laufwerke kostet 60 bis 90 €, ein kompaktes NAS-Gehäuse mit Wechselrahmen schnell 150 €. Achten Sie auf entkoppelte Laufwerkskäfige und einen langsam drehenden 120-mm-Lüfter vor den Festplatten.

Netzteil: 350 bis 450 W genügen selbst für sechs Laufwerke. Wichtig ist nicht die Wattzahl, sondern ein guter Wirkungsgrad bei geringer Last, denn Ihr NAS zieht dauerhaft nur 40 bis 60 W. Ein Markennetzteil mit 80 Plus Gold kostet 60 bis 80 € und ist keine Stelle zum Sparen.

Festplatten: der eigentliche Kostenblock. Kalkulieren Sie mit dem Preis pro Terabyte statt mit dem Preis pro Laufwerk. Tagesaktuelle Werte finden Sie in der Tabelle weiter unten.

Wie viele Festplatten und welches Paritäts-Niveau

Wählen Sie zwei Laufwerke im Spiegel, wenn Sie unter 10 TB brauchen. Sie zahlen die Hälfte der Kapazität als Ausfallsicherheit, erweitern aber jederzeit, indem Sie beide Platten gegen größere tauschen.

Wählen Sie vier Laufwerke mit einfacher Parität (RAID 5, RAID-Z1 oder Unraid mit einer Paritätsplatte), wenn Sie den üblichen Kompromiss suchen. Aus vier 8-TB-Platten werden rund 24 TB nutzbare Kapazität, und ein Laufwerk darf ausfallen.

Wählen Sie sechs Laufwerke mit doppelter Parität (RAID 6 oder RAID-Z2), sobald einzelne Laufwerke 12 TB oder mehr fassen. Der Grund ist das Wiederherstellen: Bei großen Platten läuft der Verbund tagelang unter Volllast, und genau dann fällt gern die zweite Platte aus.

Und unabhängig davon: Ein NAS ist kein Backup. Parität schützt gegen Hardware-Ausfall, nicht gegen versehentliches Löschen, Verschlüsselungstrojaner oder einen Wohnungsbrand. Planen Sie eine externe Datensicherung von Anfang an mit ein.

CMR statt SMR, ohne Ausnahme

SMR-Festplatten schreiben ihre Spuren überlappend wie Dachziegel. Das steigert die Datendichte, zwingt das Laufwerk aber dazu, beim Überschreiben ganze Zonen neu zu schreiben. Unter der Dauerlast einer Wiederherstellung bricht die Schreibrate auf wenige MB/s ein, und der Verbund wirft das Laufwerk als vermeintlich defekt hinaus. Genau in dem Moment, in dem Sie es am dringendsten brauchen.

Praktisch heißt das: Die komplette Seagate-IronWolf-Reihe ist CMR. WD Red Plus und WD Red Pro sind CMR. Die schlichte WD Red mit den Modellnummern WD20EFAX, WD30EFAX, WD40EFAX und WD60EFAX ist SMR und gehört in kein Paritäts-System. Prüfen Sie im Zweifel die exakte Modellnummer, nicht den Marketing-Namen.

Betriebssystem: die kurze Fassung

TrueNAS SCALE ist kostenlos, setzt auf ZFS und bietet Prüfsummen, Selbstheilung und Snapshots, will dafür aber gleich große Laufwerke und möglichst ECC-Speicher. Unraid kostet Lizenzgebühr, lässt dafür beliebig gemischte Laufwerksgrößen zu. Wer vor allem virtualisieren will, nimmt Proxmox.

Die Faustregel: Für ein neu gekauftes Set gleich großer Platten nehmen Sie TrueNAS, für eine gewachsene Sammlung unterschiedlicher Platten nehmen Sie Unraid.

NAS-Festplatten (CMR) nach Preis pro Terabyte

Nur CMR-Laufwerke, sortiert nach Preis pro Terabyte. Die Preise werden regelmäßig aktualisiert.

ModellKapazitätAufzeichnungPreisPreis je TB
Seagate IronWolf Pro, NAS interne Festplatte 16TB HDD, 3.5 Zoll, 7200 U/Min, CMR, 256MB Cache, SATA 6GB/s, Silber. ST16000NE000 (Generalüberholt)bester Preis je TB16 TBCMR429 €26,81 €/TBBei Amazon
Seagate IronWolf 12TB, NAS interne Festplatte, 3.5 Zoll, 7200 U/Min, CMR, 256 MB Cache, SATA 6GB/s, silber, FFP, inkl. 3 Jahre Rescue Service, Modell: ST12000VN000812 TBCMR350 €29,16 €/TBBei Amazon
Seagate IronWolf Pro, NAS interne Festplatte 16TB HDD, 3.5 Zoll, 7200 U/Min, CMR, 256 MB Cache, SATA 6GB/s, silber, inkl. 3 Jahre Rescue Service, ST16000NE00016 TBCMR500 €31,25 €/TBBei Amazon
Seagate IronWolf 10TB, NAS interne Festplatte, HDD, 3.5 Zoll, 7200 U/Min, CMR, 256 MB Cache, SATA 6GB/s, silber, inkl. 3 Jahre Rescue Service, Modellnr.: ST10000VN000410 TBCMR315 €31,50 €/TBBei Amazon
Seagate IronWolf Pro 30TB, NAS interne Festplatte, 3.5 Zoll, 7200 U/Min, CMR, 512 MB Cache, SATA 6 GB/S, inkl. 3 Jahre Rescue Service, Modellnr.: ST30000NTZ1130 TBCMR1.087 €36,23 €/TBBei Amazon
Seagate IronWolf Pro Interne Festplatte (SATA Cache, 3,5 Zoll) 14TB14 TBCMR509 €36,36 €/TBBei Amazon
Seagate SkyHawk 6TB, Interne Festplatte HDD, Videoaufnahme bis zu 64 Kameras, 3.5 Zoll, 256 MB Cache, SATA 6GB/s, silber, inkl. Data Rescue Service (ST6000VXZ09)6 TBCMR225 €37,49 €/TBBei Amazon
Seagate IronWolf Pro 14 TB, NAS interne Festplatte, 3.5 Zoll, 7200 U/Min, CMR, 256 MB Cache, SATA 6 GB/S, inkl. 3 Jahre Rescue Service, Modellnr.: ST14000NT00114 TBCMR529 €37,79 €/TBBei Amazon
WD Red Pro 22TB NAS 3,5" Interne Festplatte – 7200 RPM Klasse, SATA 6Gb/s, CMR, 512MB Cache22 TBCMR838 €38,10 €/TBBei Amazon
Seagate IronWolf Interne Festplatte 3,5 12 TB HDD 256 MB 7200 U/min Betrieb 24 Stunden PC NAS für RV Sensor ST12000VN000812 TBCMR461 €38,42 €/TBBei Amazon
WD Red Plus 10 TB NAS Interne Festplatte 3,5 Zoll - 7200 U/Min, SATA 6Gb/s, CMR, 256MB Cache10 TBCMR395 €39,46 €/TBBei Amazon
Seagate SkyHawk AI, interne Festplatte für Video mit bis zu 64 Kameras, 16TB, 3.5 Zoll, 256 MB Cache, SATA 6GB/S, silber, inkl. 3 Jahre Rescue Service, Modellnr.: ST16000VE00016 TBCMR650 €40,60 €/TBBei Amazon

Schritt für Schritt

  1. Teile auswählen. Legen Sie zuerst die Zahl der Schächte fest, denn sie bestimmt Gehäuse, Mainboard und Netzteil. Vier Schächte sind der übliche Einstieg, sechs geben Luft nach oben. Wählen Sie ein N100-Board mit genug SATA-Ports, ein 16-GB-SO-DIMM, eine kleine Boot-SSD und ausschließlich CMR-Festplatten.
  2. Mainboard und Arbeitsspeicher vorbereiten. Bauen Sie das SO-DIMM ein, solange das Mainboard noch frei zugänglich außerhalb des Gehäuses liegt. Setzen Sie den Riegel schräg an und drücken Sie ihn herunter, bis die seitlichen Klammern hörbar einrasten.
  3. Mainboard und Netzteil im Gehäuse montieren. Setzen Sie die Abstandshalter passend zum Board-Format, montieren Sie die Blende, verschrauben Sie das Mainboard und danach das Netzteil. Verlegen Sie die Kabel so, dass der Luftstrom vor den Festplattenkäfigen frei bleibt.
  4. Systemlaufwerk einbauen. Montieren Sie die SSD, von der später das Betriebssystem startet. Halten Sie das Systemlaufwerk konsequent von den Datenlaufwerken getrennt, das erspart Ihnen bei der Einrichtung des Verbunds Verwechslungen.
  5. Festplatten einsetzen und verkabeln. Schrauben Sie die Laufwerke möglichst entkoppelt in die Käfige und verbinden Sie jedes mit einem SATA-Datenkabel und einem Stromstecker. Notieren Sie sich Seriennummer und Einbauplatz jedes Laufwerks. Wenn später eine Platte ausfällt, wissen Sie sofort, welche Sie herausziehen müssen.
  6. Erster Start und BIOS-Einstellungen. Kontrollieren Sie im BIOS, dass alle SATA-Ports im AHCI-Modus laufen und nicht als RAID. Aktivieren Sie die C-States für einen niedrigen Leerlaufverbrauch und stellen Sie die Bootreihenfolge auf das Systemlaufwerk.
  7. Betriebssystem installieren. Schreiben Sie TrueNAS SCALE oder Unraid auf einen USB-Stick, starten Sie davon und installieren Sie auf die Boot-SSD. Vergeben Sie eine feste IP-Adresse, danach arbeiten Sie nur noch über die Weboberfläche.
  8. Verbund anlegen, Freigaben einrichten, Backup planen. Legen Sie den Verbund mit dem gewünschten Paritäts-Niveau an, richten Sie die SMB-Freigaben ein und aktivieren Sie den regelmäßigen Scrub beziehungsweise die Paritätsprüfung. Konfigurieren Sie erst danach die Datensicherung auf ein externes Ziel.

Weiterlesen

Häufige Fragen

Lohnt es sich, ein NAS selbst zu bauen?

Wenn Sie mehr Rechenleistung und Arbeitsspeicher pro Euro wollen, virtualisieren möchten oder ohnehin Freude an Hardware haben: ja. Ein N100-Selbstbau kostet ohne Festplatten rund 300 bis 450 € und bietet mehr Leistung als ein Fertiggerät derselben Preisklasse. Wenn Sie fertige Apps, Hersteller-Support und ein Gerät wollen, das Sie nach 30 Minuten vergessen können, kaufen Sie ein Fertig-NAS.

Welche Hardware brauche ich für ein NAS mindestens?

Mainboard mit CPU, einen Riegel Arbeitsspeicher, ein Systemlaufwerk, ein Netzteil, ein Gehäuse mit genug Schächten und mindestens zwei Festplatten. Alles darunter ist ein Einzelplatten-Dateiserver ohne jede Ausfallsicherheit.

Wie viel Arbeitsspeicher braucht ein selbstgebautes NAS?

16 GB sind der praktische Standard und decken ZFS plus einige Docker-Container ab. 8 GB genügen für ein reines Datei-NAS. Erst wenn Sie mehrere virtuelle Maschinen betreiben, werden 32 GB und damit eine andere Plattform als der N100 sinnvoll.

Was kostet ein selbstgebautes NAS im Betrieb?

Ein Vier-Platten-NAS auf N100-Basis zieht im Leerlauf rund 35 bis 45 W. Bei 40 W sind das 350,4 kWh und damit etwa 123 € pro Jahr bei angenommenen 35 Cent/kWh.

Kann ich einen alten PC als NAS verwenden?

Technisch ja, wirtschaftlich meist nein. Eine ältere Desktop-CPU zieht im Leerlauf schnell 50 bis 70 W statt 12 W. Die Mehrkosten beim Strom übersteigen den Preis eines neuen N100-Boards oft schon im zweiten Jahr.

Über den Autor
Porträt von Markus Brandt
Markus Brandt
Redakteur für Hardware & Effizienz

Markus Brandt betreut bei nas-rechner.de den Bereich Heimserver-Hardware und Effizienz – vom passenden Netzteil über die USV bis zur Frage, was ein NAS im Dauerbetrieb wirklich verbraucht. Er schreibt auch bei pcbau-rechner.de über Netzteile und Effizienz.

Porträt von Sabine HoffmannRedaktionell geprüft von Sabine Hoffmann, Chefredakteurin