Nas-Rechner

Fertig-NAS oder Selbstbau: was lohnt sich wirklich?

Porträt von Markus BrandtVon Markus Brandt · Redaktionell geprüft von Sabine Hoffmann · Aktualisiert
Kurz und knapp · Stand 29. August 2026

Ein Vier-Schacht-NAS von Synology oder UGREEN kostet ohne Festplatten rund 400 bis 700 €, ein N100-Selbstbau rund 300 bis 450 €. Der Selbstbau gewinnt bei Hardware pro Euro, beim Arbeitsspeicher und bei der Flexibilität, kostet Sie aber ein Wochenende und lässt Sie bei Problemen allein. Das Fertiggerät gewinnt bei Zeit, Support, Mobil-Apps, Stromverbrauch und Wiederverkaufswert.

Was beides wirklich kostet

Ein Fertig-NAS mit vier Schächten kostet ohne Festplatten rund 400 bis 700 €, je nach Hersteller und Ausstattung. Dafür bekommen Sie ein fertiges Gehäuse mit Wechselrahmen, ein abgestimmtes Netzteil, ein poliertes Betriebssystem und einen Ansprechpartner, wenn etwas nicht läuft.

Ein Selbstbau mit N100 und vier Schächten kostet ohne Festplatten rund 300 bis 450 €: Mainboard rund 150 €, 16 GB SO-DIMM rund 45 €, Boot-SSD rund 30 €, Gehäuse rund 80 €, Netzteil rund 70 €. Dafür bekommen Sie mehr Rechenleistung, mehr Arbeitsspeicher und die freie Wahl des Betriebssystems.

Der Preisunterschied ist real, aber kleiner, als die Selbstbau-Fraktion oft behauptet. Die Festplatten kosten in beiden Fällen dasselbe und sind bei größeren Kapazitäten der dominierende Posten. Bei vier 12-TB-Platten relativiert sich eine Differenz von 150 € beim Gehäuse deutlich.

Der Posten, den niemand einrechnet: Ihre Zeit

Ein Fertig-NAS ist in etwa 30 Minuten einsatzbereit: Platten einschieben, einschalten, Assistenten durchklicken, Freigabe einrichten. Danach denken Sie nicht mehr darüber nach.

Ein Selbstbau kostet Sie realistisch einen halben bis ganzen Tag für Zusammenbau, BIOS-Einstellungen und Installation des Betriebssystems, dazu einige Abende für Feinschliff, Docker, Freigaben und Datensicherung. Wenn Sie das als Hobby genießen, ist es kein Kostenpunkt, sondern der Sinn der Sache. Wenn Sie nur Speicherplatz im Netzwerk brauchen, ist es genau das: Kosten.

Und die Zeit endet nicht beim Aufbau. Bei einem Fertiggerät macht der Hersteller die Sicherheitsupdates. Bei einem Selbstbau sind Sie die Systemadministration.

Wo der Selbstbau klar gewinnt

  • Rechenleistung und Arbeitsspeicher pro Euro. Einstiegs-Fertiggeräte kommen oft mit 4 GB oder 8 GB, teils fest verlötet. Ein N100-Bau startet mit 16 GB.
  • Freie Wahl der Software. Proxmox, TrueNAS, Unraid oder Debian mit Docker: Sie entscheiden. Kein Hersteller kann Ihnen eine Funktion streichen oder Ihr Gerät aus der Update-Liste nehmen.
  • Reparierbarkeit. Ein defektes Netzteil oder Mainboard tauschen Sie für 70 € aus Standardteilen. Beim Fertiggerät außerhalb der Garantie ist das schnell ein wirtschaftlicher Totalschaden.
  • Keine Herstellerbindung bei den Festplatten und keine Kompatibilitätslisten, die Ihnen vorschreiben, welche Laufwerke Sie einbauen dürfen.

Wo das Fertig-NAS klar gewinnt

  • Zeit. Der wichtigste Punkt und der am häufigsten unterschätzte.
  • Software-Ökosystem. Die Mobil-App, die Ihre Fotos automatisch sichert, der funktionierende Fernzugriff ohne Portweiterleitung, das durchdachte Backup-Werkzeug: Das alles nachzubauen kostet Abende.
  • Stromverbrauch. Fertiggeräte sind auf niedrigen Leerlauf optimiert und liegen mit vier Platten oft bei 25 bis 35 W statt bei 40 W. Bei 35 Cent/kWh macht ein Unterschied von 10 W rund 31 € im Jahr aus.
  • Lautstärke und Größe. Ein kompaktes Vier-Schacht-Gerät passt ins Regal, ein Midi-Tower nicht.
  • Wiederverkaufswert. Ein gebrauchtes Fertig-NAS verkauft sich problemlos, ein selbstgebauter Rechner deutlich schlechter.

Die Rechnung über fünf Jahre

Interessant wird der Vergleich erst, wenn Sie den Strom mitrechnen. Beide Geräte laufen fünf Jahre durch, beide mit vier Festplatten.

  • Selbstbau: rund 375 € Anschaffung, rund 40 W im Dauerbetrieb. Das sind 123 € Strom im Jahr, über fünf Jahre 615 €. Summe: rund 990 €.
  • Fertig-NAS: rund 550 € Anschaffung, rund 30 W im Dauerbetrieb. Das sind 92 € Strom im Jahr, über fünf Jahre 460 €. Summe: rund 1010 €.

Über die realistische Nutzungsdauer ist der Abstand also praktisch aufgehoben. Der Selbstbau spart bei der Anschaffung und gibt es beim Strom wieder aus. Wer glaubt, mit dem Eigenbau ein paar hundert Euro zu sparen, rechnet meist nur die Rechnung des ersten Tages.

Das ist kein Argument gegen den Selbstbau. Es ist ein Argument dafür, ihn aus den richtigen Gründen zu wählen: mehr Arbeitsspeicher, freie Softwarewahl, Virtualisierung, Reparierbarkeit. Nicht wegen der 175 € auf dem Kassenbon.

Die klare Empfehlung

Kaufen Sie ein Fertig-NAS, wenn Sie Speicherplatz und eine funktionierende Foto-Sicherung wollen, Ihre Zeit einen Wert hat und Sie sich nicht für Hardware interessieren. Das ist keine Kapitulation, sondern eine vernünftige Entscheidung.

Bauen Sie selbst, wenn Sie virtualisieren wollen, mehr als 16 GB Arbeitsspeicher oder mehr als sechs Schächte brauchen, Freude an der Sache haben oder eine bereits vorhandene Plattensammlung sinnvoll nutzen wollen. Und rechnen Sie dann ehrlich: Der Selbstbau ist günstiger, aber selten so viel günstiger, wie es im Forum klingt.

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Häufige Fragen

Ist ein selbstgebautes NAS günstiger als ein Synology?

In der Regel ja, aber weniger deutlich als oft behauptet: rund 300 bis 450 € gegenüber 400 bis 700 € für vier Schächte ohne Festplatten. Da die Festplatten in beiden Fällen gleich viel kosten, schrumpft der relative Unterschied, je größer Ihre Kapazität wird.

Wie lange dauert es, ein NAS selbst zu bauen?

Der Zusammenbau selbst dauert zwei bis drei Stunden. Rechnen Sie mit einem halben bis ganzen Tag bis zur ersten Freigabe und mit einigen Abenden für Docker, Datensicherung und Feinschliff.

Verbraucht ein selbstgebautes NAS mehr Strom?

Meist etwas mehr. Ein N100-Bau mit vier Platten liegt bei rund 40 W, ein vergleichbares Fertiggerät oft bei 25 bis 35 W. Zehn Watt Unterschied bedeuten bei 35 Cent/kWh rund 31 € pro Jahr.

Bekomme ich beim Selbstbau Support?

Nein, jedenfalls nicht von einem Hersteller. Sie haben Foren, Dokumentation und Ihre eigene Zeit. Bei einem Fertiggerät gibt es Garantie und eine Anlaufstelle, wenn das Gerät nicht mehr startet.

Kann ich ein Fertig-NAS später aufrüsten?

Sehr begrenzt. Der Arbeitsspeicher ist oft fest verlötet oder auf ein Modul beschränkt, und die Zahl der Schächte ist fix. Beim Selbstbau tauschen Sie jedes Teil einzeln.

Über den Autor
Porträt von Markus Brandt
Markus Brandt
Redakteur für Hardware & Effizienz

Markus Brandt betreut bei nas-rechner.de den Bereich Heimserver-Hardware und Effizienz – vom passenden Netzteil über die USV bis zur Frage, was ein NAS im Dauerbetrieb wirklich verbraucht. Er schreibt auch bei pcbau-rechner.de über Netzteile und Effizienz.

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