Das N100-NAS: ein durchgerechneter Bauvorschlag
Ein N100-NAS aus Mainboard mit sechs SATA-Ports (rund 150 €), 16 GB SO-DIMM (rund 45 €), 256-GB-NVMe als Systemlaufwerk (rund 30 €), Vier-Schacht-Gehäuse (rund 80 €) und 80-Plus-Gold-Netzteil (rund 70 €) kostet ohne Festplatten etwa 375 € und zieht ohne Laufwerke 12 bis 15 W im Leerlauf. Mit vier Festplatten landen Sie bei rund 40 W, also etwa 123 € Strom im Jahr bei 35 Cent/kWh.
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Warum ausgerechnet der N100
Der Intel N100 ist mit 6 W TDP und vier Kernen genau die Klasse Rechenleistung, die ein Heim-NAS braucht: genug für ZFS, ein Dutzend Docker-Container und das Umkodieren eines Videostroms per Quick Sync, aber sparsam genug, um im Dauerbetrieb nicht wehzutun. Mainboard, Arbeitsspeicher und Systemlaufwerk zusammen liegen im Leerlauf bei 10 bis 15 W.
Die Grenzen sollten Sie kennen, bevor Sie kaufen. Der N100 spricht den Arbeitsspeicher nur einkanalig an und ist offiziell auf 16 GB SO-DIMM begrenzt. Manche Boards laufen inoffiziell mit 32 GB, aber verlassen Sie sich nicht darauf und planen Sie nicht damit. ECC-Speicher gibt es beim N100 nicht. Wenn Sie ECC zwingend brauchen, sind Sie auf dieser Plattform falsch.
Die Teileliste
Gesamtkosten ohne Festplatten: ab 234 € (3 von 5 Teilen mit Live-Preis; für die übrigen führt der Karten-Link zur Amazon-Suche)
Zu jedem Teil die Begründung, warum genau dieses und kein anderes:
Mainboard mit Intel N100 und sechs SATA-Ports: 130 bis 190 €, Richtwert 150 €. Das Herzstück. Achten Sie darauf, dass die sechs SATA-Ports wirklich vom Chipsatz kommen und nicht über einen billigen Port-Multiplier realisiert sind, und dass mindestens ein M.2-Steckplatz frei bleibt.
Arbeitsspeicher, 16 GB SO-DIMM: 35 bis 55 €, Richtwert 45 €. Ein einzelner Riegel, passend zum Board (DDR4 oder DDR5). Mehr als 16 GB planen Sie hier nicht ein.
Systemlaufwerk, NVMe mit 256 GB: 25 bis 35 €, Richtwert 30 €. Ausschließlich für das Betriebssystem. Kein USB-Stick.
Gehäuse mit vier Schächten: 60 bis 120 €, Richtwert 80 €. Wichtig sind entkoppelte Laufwerkskäfige und ein 120-mm-Lüfter, der die Festplatten direkt anbläst.
Netzteil, 400 W, 80 Plus Gold: 60 bis 80 €, Richtwert 70 €. Überdimensionieren bringt nichts, ein guter Wirkungsgrad bei niedriger Last bringt viel.
Festplatten, vier Stück in CMR: der größte Posten und stark tagesabhängig. Rechnen Sie in Preis pro Terabyte, nicht in Preis pro Laufwerk.
Optional: USV mit reinem Sinus, 500 bis 650 VA, rund 90 bis 150 €. Für ein NAS mit Schreibcache eine sehr sinnvolle Ergänzung.
Summe ohne Festplatten: rund 375 €. Alle genannten Preise sind Richtwerte und schwanken. Die aktuellen Festplattenpreise sehen Sie in der Tabelle unter diesem Text.
Was dieser Bau kann und was nicht
Er kann: Dateifreigaben für mehrere Rechner mit voller Gigabit-Geschwindigkeit, ZFS mit Prüfsummen und Snapshots, Jellyfin oder Plex inklusive Hardware-Transkodierung über die integrierte Grafikeinheit, dazu Nextcloud, Pi-hole, Home Assistant und ähnliche Container.
Er kann nicht: schwere Virtualisierung mit mehreren gleichzeitig laufenden Windows-Maschinen, ECC-Speicher, 10-Gigabit-Netzwerk bei voller Auslastung ohne Kompromisse. Wenn Sie das brauchen, schauen Sie sich gebrauchte Xeon-Plattformen oder eine aktuelle Ryzen-Konfiguration mit ECC-Unterstützung an, zahlen dafür aber deutlich mehr Strom oder deutlich mehr Geld.
Stolpersteine beim Kauf des N100-Boards
Die N100-Boards kommen überwiegend von kleineren Herstellern, und die Datenblätter sind nicht immer ehrlich. Achten Sie auf vier Punkte, bevor Sie bestellen.
- Woher kommen die SATA-Ports? Manche Boards führen sechs Ports nach außen, hängen aber vier davon hinter einen Port-Multiplier, der sich die Bandbreite eines einzigen Anschlusses teilt. Beim gleichzeitigen Zugriff auf alle Platten, also genau beim Wiederherstellen, bricht das ein.
- Teilen sich M.2 und SATA die Leitungen? Bei vielen Boards legt ein bestückter M.2-Steckplatz zwei SATA-Ports still. Aus sechs Ports werden dann vier, sobald Ihre Boot-NVMe steckt.
- Lässt sich das BIOS bedienen? Sie brauchen Zugriff auf AHCI und die C-States. Fehlen diese Punkte, verlieren Sie entweder ZFS-Kompatibilität oder den niedrigen Leerlaufverbrauch.
- Der Arbeitsspeicher ist einkanalig. Das ist keine Fehlfunktion, sondern eine Eigenschaft des N100. Für ein NAS ist es folgenlos, für Videoschnitt wäre es eine Bremse.
Die Stromrechnung, offen gerechnet
Ohne Festplatten zieht das System 12 bis 15 W. Jede 3,5-Zoll-NAS-Festplatte legt im Leerlauf 4 bis 6 W drauf, unter Last 6 bis 9 W. Vier Laufwerke bedeuten also grob 20 bis 25 W zusätzlich.
Gesamt im Leerlauf: etwa 40 W. Die Jahresrechnung dazu: 40 W x 24 h x 365 Tage / 1000 = 350,4 kWh. Bei angenommenen 35 Cent/kWh sind das rund 123 € im Jahr. Setzen Sie Ihren eigenen Tarif ein, die 35 Cent sind eine Arbeitsannahme für 2026 und kein Naturgesetz.
Bemerkenswert daran ist das Verhältnis: Die Festplatten verbrauchen mehr als die gesamte Rechnerplattform. Wer Strom sparen will, spart bei der Zahl der Laufwerke, nicht bei der CPU.
Aktuelle CMR-Festplatten für Ihren N100-Bau
Die Bauteilpreise im Text sind Richtwerte. Diese Tabelle zeigt die aktuellen Festplattenpreise nach Preis pro Terabyte.
Schritt für Schritt
- Mainboard mit Arbeitsspeicher bestücken. Setzen Sie das 16-GB-SO-DIMM in den Steckplatz, solange das Mainboard noch außerhalb des Gehäuses liegt. Schräg ansetzen, herunterdrücken, bis beide Klammern einrasten.
- NVMe als Systemlaufwerk montieren. Schrauben Sie die 256-GB-NVMe in den M.2-Steckplatz. Von diesem Laufwerk startet später das Betriebssystem, es gehört nie in den Datenverbund.
- Mainboard und Netzteil ins Gehäuse setzen. Abstandshalter setzen, Blende einclipsen, Mainboard verschrauben, Netzteil montieren. Führen Sie die Kabel hinter dem Mainboard-Träger entlang, damit der Luftstrom zu den Festplatten frei bleibt.
- Vier Festplatten einbauen und beschriften. Setzen Sie die vier CMR-Laufwerke entkoppelt in die Schächte und verbinden Sie jedes mit SATA-Daten- und Stromkabel. Notieren Sie zu jedem Schacht die Seriennummer des Laufwerks.
- BIOS konfigurieren. Beim ersten Start prüfen Sie: SATA im AHCI-Modus, C-States aktiv (sonst verlieren Sie den niedrigen Leerlaufverbrauch), Bootreihenfolge auf die NVMe und die integrierte Grafikeinheit aktiv, falls Sie später transkodieren wollen.
- TrueNAS SCALE installieren. Vom USB-Stick starten, auf die NVMe installieren, den Stick abziehen, feste IP-Adresse vergeben. Ab hier arbeiten Sie nur noch über die Weboberfläche im Browser.
- Verbund anlegen und Freigaben einrichten. Legen Sie aus den vier Laufwerken einen RAID-Z1-Verbund an (ein Laufwerk Parität) oder RAID-Z2, wenn Ihnen Ausfallsicherheit wichtiger ist als nutzbare Kapazität. Danach die SMB-Freigabe einrichten und den automatischen Scrub aktivieren.
- Datensicherung und USV einrichten. Konfigurieren Sie ein externes Backup-Ziel, bevor Sie die ersten wichtigen Daten kopieren. Schließen Sie die USV per USB an und lassen Sie das NAS bei Stromausfall automatisch sauber herunterfahren.
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Häufige Fragen
Reicht ein Intel N100 für ein NAS mit Plex oder Jellyfin?
Ja. Die integrierte Grafikeinheit transkodiert über Quick Sync mehrere Videoströme gleichzeitig in Hardware. Die vier Kerne genügen für ZFS und Dateifreigaben nebenher. An seine Grenzen kommt der N100 erst bei schwerer Virtualisierung.
Wie viel RAM kann ein N100-Board wirklich?
Offiziell 16 GB in einem einzelnen SO-DIMM, einkanalig angebunden. Manche Boards nehmen inoffiziell einen 32-GB-Riegel an, aber das ist nicht garantiert und kein Grund, den Bau darauf zu planen.
Kann der N100 ECC-RAM?
Nein. Der N100 unterstützt keinen ECC-Speicher. Wenn ECC für Sie Pflicht ist, brauchen Sie eine andere Plattform, etwa eine passende AMD-Ryzen- oder eine gebrauchte Xeon-Konfiguration.
Was kostet ein N100-NAS im Jahr an Strom?
Mit vier Festplatten rund 40 W im Leerlauf, also 350,4 kWh und damit etwa 123 € im Jahr bei angenommenen 35 Cent/kWh.
Wie viele Festplatten passen an ein N100-Board?
Die verbreiteten NAS-Boards bringen sechs SATA-Ports mit. Mehr Laufwerke gehen nur über eine zusätzliche HBA-Karte, was den Leerlaufverbrauch um 6 bis 10 W erhöht.

Markus Brandt betreut bei nas-rechner.de den Bereich Heimserver-Hardware und Effizienz – vom passenden Netzteil über die USV bis zur Frage, was ein NAS im Dauerbetrieb wirklich verbraucht. Er schreibt auch bei pcbau-rechner.de über Netzteile und Effizienz.