NAS-Festplatten: die Kaufberatung nach Einsatzzweck
Für ein typisches Heim-NAS mit zwei bis vier Schächten sind WD Red Plus, Seagate IronWolf und Toshiba N300 die richtige Wahl: alle drei sind CMR, für den Dauerbetrieb freigegeben und auf 180 TB Schreiblast pro Jahr ausgelegt. Wer mehr als vier Schächte füllt, dauerhaft viele Nutzer bedient oder Kapazitäten ab 16 TB einsetzt, greift zu WD Red Pro, Seagate IronWolf Pro oder Toshiba N300 Pro mit 550 TB pro Jahr und fünf Jahren Garantie. Seagate Exos ist eine Enterprise-Platte für Racks und im Wohnzimmer schlicht zu laut.
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Die drei Fragen, die die Platte bestimmen
Der Markt für NAS-Festplatten wirkt unübersichtlich, ist es aber nicht. Drei Fragen entscheiden praktisch immer, und wenn Sie diese drei beantworten, bleibt am Ende genau eine Handvoll Laufwerke übrig.
- Wie viele Schächte hat Ihr Gerät? Bis vier bis acht Schächte reichen die Standardmodelle. Die Vibration mehrerer Platten in einem Gehäuse ist der Grund, warum Hersteller überhaupt eine Schachtgrenze angeben.
- Wie viel schreiben Sie pro Jahr? Ein Haushalt, der Fotos, Filme und Backups ablegt, liegt fast immer weit unter 60 TB pro Jahr. Ein NAS, das täglich mehrere Rechner sichert, Videoschnitt bedient oder Überwachungskameras aufzeichnet, kommt schnell in die Nähe von 180 TB.
- Wie groß sind die einzelnen Laufwerke? Ab etwa 16 TB je Platte ändert sich die Rechnung, weil der Wiederaufbau nach einem Ausfall so lange dauert, dass einfache Ausfallsicherheit knapp wird.
Alles andere, Cache-Größe, Umdrehungszahl, Werbenamen für Sensoren, ist im Heimgebrauch Kosmetik. Nichts davon entscheidet darüber, ob Ihre Daten in fünf Jahren noch da sind.
CMR ist keine Empfehlung, sondern eine Bedingung
Eine NAS-Festplatte muss CMR sein. SMR-Laufwerke schreiben ihre Spuren überlappend und müssen ganze Zonen neu schreiben, wenn Daten mitten im Bestand geändert werden. Im Normalbetrieb fällt das kaum auf. Im Wiederaufbau eines RAID-Verbunds, also genau dann, wenn es darauf ankommt, bricht der Durchsatz ein, und manche NAS-Systeme werfen die Platte während des Vorgangs aus dem Verbund.
Die gute Nachricht: bei den heute verkauften NAS-Baureihen müssen Sie kaum noch aufpassen. Die gesamte IronWolf- und IronWolf-Pro-Reihe ist laut Seagates eigener Liste CMR. WD Red Plus und WD Red Pro sind CMR, Toshiba N300 und N300 Pro ebenfalls.
Die Fallen liegen daneben. Seagate führt die BarraCuda in 3,5 Zoll mit 4 TB und 8 TB als SMR, also genau in den Kapazitäten, die im NAS beliebt sind. Eine BarraCuda gehört deshalb nicht ins NAS, egal wie attraktiv der Preis wirkt. Und bei sehr großen Exos-Modellen mit 32 TB, 36 TB und 44 TB weist Seagate selbst SMR aus, während die verbreiteten Exos X16 bis X24 CMR sind.
Die zweite Falle heißt WD Red ohne Zusatz. WD räumte am 20. April 2020 ein, dass WD20EFAX, WD30EFAX, WD40EFAX und WD60EFAX intern SMR nutzen. Am 23. Juni 2020 führte WD die Red Plus als ausdrücklich CMR-basierte Marke ein, während die einfache Red weiter SMR blieb. Die einfache Red ist heute faktisch vom Markt verdrängt, es kursieren aber noch Restbestände. Kaufen Sie Red Plus oder Red Pro und nicht schlicht Red.
Die Schreiblast ist die eigentliche Klassengrenze
Hersteller geben eine Schreiblast in TB pro Jahr an, im Englischen Workload Rate. Diese Zahl ist keine Sicherung, die durchbrennt, sondern der Bereich, für den die Platte konstruiert und getestet wurde. Sie trennt die Baureihen sauberer als jedes andere Merkmal.
- 180 TB pro Jahr: Seagate IronWolf (alle Kapazitäten), WD Red Plus, Toshiba N300. Das ist die Heimklasse und für die allermeisten Haushalte großzügig bemessen.
- 550 TB pro Jahr: WD Red Pro, Toshiba N300 Pro, Seagate Exos und die IronWolf Pro der NT-Serie. Das ist die Klasse für Dauerlast, viele Nutzer und große Verbünde.
- 300 TB pro Jahr: die IronWolf Pro der NE-Serie. Diese Zahl überrascht viele, denn die meisten Ratgeber nennen für IronWolf Pro pauschal 550 TB. Beide Werte sind aktuelle Seagate-Spezifikationen, und beide Serien stehen bei gleicher Kapazität nebeneinander im Regal. Mehr dazu auf der IronWolf-Seite.
Ein Rechenbeispiel: wer jede Nacht 50 GB neu sichert, schreibt rund 18 TB im Jahr. Selbst mit Videoschnitt und wöchentlichen Vollsicherungen bleiben die meisten Haushalte unter 60 TB. Die 180er-Klasse ist damit nicht knapp bemessen, sondern hat reichlich Luft.
Wählen Sie so
Wählen Sie WD Red Plus, Seagate IronWolf oder Toshiba N300, wenn Sie ein NAS mit zwei bis vier, maximal acht Schächten betreiben, Daten vor allem lesen und ablegen und Kapazitäten bis etwa 14 TB je Platte einsetzen. Die drei Baureihen sind sich technisch so ähnlich, dass Sie ohne schlechtes Gewissen zur gerade günstigsten greifen können.
Wählen Sie WD Red Pro, IronWolf Pro oder N300 Pro, wenn Sie mehr als acht Schächte füllen, das NAS mehrere Nutzer gleichzeitig bedient, Sie Überwachungsvideo aufzeichnen oder Sie Platten ab 16 TB einsetzen. Die fünf Jahre Garantie sind bei Laufwerken, die vier Jahre lang durchlaufen sollen, kein Luxus.
Wählen Sie Seagate Exos nur, wenn das NAS in einem Keller, einem Serverraum oder einem Schrank steht, den Sie nicht betreten müssen. Die Platte ist hervorragend, aber sie ist deutlich lauter als jede Consumer-NAS-Platte und für den Rackbetrieb ausgelegt.
Nicht kaufen sollten Sie: Desktop-Platten wie BarraCuda oder WD Blue, externe Platten, die Sie ausschlachten (dort steckt oft SMR drin und die Garantie ist an das Gehäuse gebunden), und die einfache WD Red aus Restbeständen.
Was Sie beim Bestücken sonst noch bedenken sollten
Kaufen Sie nicht alle Platten aus derselben Charge. Wenn vier Laufwerke aus derselben Produktionswoche stammen, altern sie ähnlich, und ein Serienfehler trifft sie gemeinsam. Zwei Bestellungen bei zwei Händlern kosten nichts und entkoppeln das Risiko ein wenig.
Planen Sie die Kapazität großzügig. Eine 3,5-Zoll-NAS-Platte zieht im Leerlauf rund 4 bis 6 W, und zwar unabhängig von ihrer Größe. Eine 4-TB-Platte verbraucht praktisch genauso viel wie eine 12-TB-Platte. Je TB ist die große Platte also deutlich sparsamer, und sie belegt nur einen Schacht statt drei.
Und schließlich: RAID ist kein Backup. Ein Verbund schützt gegen den Ausfall eines Laufwerks, nicht gegen versehentliches Löschen, Verschlüsselungstrojaner oder einen Wasserschaden. Die Kapazitätsplanung sollte deshalb immer eine zweite Kopie an einem anderen Ort mit einschließen.
NAS-taugliche CMR-Festplatten im Überblick
Nur Laufwerke, die vom Hersteller für den NAS-Dauerbetrieb freigegeben und laut offizieller Liste CMR sind. SMR-Modelle und Desktop-Platten sind bewusst nicht enthalten. Preise ändern sich täglich, die Einordnung bleibt.
Weiterlesen
- CMR oder SMR im NAS?
- Welche NAS-Festplatte passt zu mir?
- IronWolf oder WD Red im Vergleich
- Wie viele Festplatten brauche ich?
- RAID-Rechner: nutzbare Kapazität
Häufige Fragen
Welche Festplatte ist die beste für ein NAS?
Die beste Platte hängt von der Schachtzahl ab. Für zwei bis vier Schächte im Haushalt sind WD Red Plus, Seagate IronWolf und Toshiba N300 gleichwertig gut: alle CMR, alle für 180 TB Schreiblast pro Jahr freigegeben. Ab acht Schächten oder bei Dauerlast lohnen sich WD Red Pro, IronWolf Pro oder N300 Pro mit 550 TB pro Jahr und fünf Jahren Garantie.
Kann ich normale Festplatten im NAS verwenden?
Technisch startet ein NAS auch mit einer Desktop-Platte, aber Sie handeln sich zwei Probleme ein. Erstens sind viele Desktop-Modelle SMR, etwa die Seagate BarraCuda in 3,5 Zoll mit 4 TB und 8 TB, was den Wiederaufbau eines RAID-Verbunds massiv verlangsamt. Zweitens sind Desktop-Platten nicht für Dauerbetrieb und die Vibration mehrerer Laufwerke spezifiziert.
Was bedeutet die Angabe TB pro Jahr bei NAS-Festplatten?
Das ist die Schreiblast, für die der Hersteller die Platte konstruiert und getestet hat. 180 TB pro Jahr entsprechen etwa 500 GB Datenverkehr pro Tag, was ein Haushalt kaum erreicht. 550 TB pro Jahr sind für Dauerlast, viele Nutzer oder Videoüberwachung gedacht. Die Zahl ist eine Obergrenze, kein Wohlfühlbereich.
Sind teurere NAS-Festplatten wirklich zuverlässiger?
Nicht unbedingt zuverlässiger, aber höher spezifiziert. Die Pro-Modelle sind für mehr Schächte, mehr Vibration und dreimal so viel Schreiblast freigegeben und haben fünf statt drei Jahre Garantie. Wenn Ihre Nutzung deutlich unter den Grenzen der Standardmodelle bleibt, kaufen Sie mit dem Aufpreis vor allem längere Garantie, keine spürbar bessere Platte.
Wie laut sind NAS-Festplatten im Wohnzimmer?
Die Consumer-Baureihen IronWolf, Red Plus und N300 sind im Leerlauf gut auszuhalten, hörbar wird vor allem das Kopfrasseln beim Zugriff. Seagate Exos ist eine Rack-Platte und deutlich lauter: sie gehört in einen Abstellraum oder Keller, nicht neben das Sofa.
Muss ich alle Platten im NAS gleichzeitig kaufen?
Nein, und Sie sollten es sogar bewusst nicht alle aus derselben Charge tun. Platten aus derselben Produktionswoche altern ähnlich, und ein Serienfehler träfe sie gemeinsam. Zwei getrennte Bestellungen entkoppeln dieses Risiko ohne Mehrkosten.

Katrin Weber rechnet bei nas-rechner.de aus, was ein NAS im 24/7-Betrieb im Jahr kostet, und ordnet Festplattenpreise nach Euro je Terabyte ein. Bei pcbau-rechner.de verantwortet sie die Themen Stromkosten und Energie.