CMR gegen SMR: warum das Aufzeichnungsverfahren über Ihr RAID entscheidet
Ins NAS gehören ausschließlich CMR-Festplatten. SMR-Laufwerke schreiben Spuren überlappend wie Dachziegel und müssen beim Überschreiben ganze Zonen neu ordnen. Bei einer RAID-Wiederherstellung, die stundenlang sequenziell und wahlfrei schreibt, bricht der Durchsatz dabei von über 100 MB/s auf teils unter 10 MB/s ein. Aus einem Rebuild von zwölf Stunden werden mehrere Tage, und manche Controller werfen das Laufwerk vorher als defekt aus dem Verbund. Die gute Nachricht: die gesamte IronWolf- und IronWolf-Pro-Reihe ist CMR, und kein aktuelles Modell von WD Red Plus oder WD Red Pro ist SMR.
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Was CMR und SMR technisch unterscheidet
CMR steht für Conventional Magnetic Recording. Die Datenspuren liegen nebeneinander, jede Spur lässt sich unabhängig von ihren Nachbarn überschreiben. Das ist das klassische Verfahren, und es ist berechenbar: Ein Schreibvorgang kostet immer ungefähr gleich viel Zeit.
SMR steht für Shingled Magnetic Recording. Die Spuren überlappen sich wie Dachziegel, weil der Schreibkopf breiter ist als der Lesekopf. So passen mehr Daten auf dieselbe Scheibe, die Platte wird pro TB billiger. Der Preis dafür: Sie können eine Spur nicht überschreiben, ohne die darüberliegenden Spuren mitzuzerstören. Die Platte muss ganze Zonen einlesen, ändern und zurückschreiben.
Solange nur sequenziell geschrieben wird und die Platte Ruhepausen zum Aufräumen bekommt, fällt das kaum auf. Genau diese Pausen gibt es bei einem RAID-Rebuild nicht. Es wird stundenlang durchgeschrieben, der interne Cache läuft voll, und dann bricht die Leistung ein. Das ist kein Randfall, das ist der einzige Moment, in dem Sie sich vollständig auf Ihre Festplatten verlassen müssen.
Der SMR-Skandal von 2020, kurz und faktisch
Western Digital hatte SMR still und heimlich in die WD-Red-Reihe eingeführt, also ausgerechnet in die Serie, die ausdrücklich für NAS-Systeme verkauft wurde. Betroffen waren genau vier Modelle mit sogenanntem DMSMR (device-managed SMR): WD20EFAX mit 2 TB, WD30EFAX mit 3 TB, WD40EFAX mit 4 TB und WD60EFAX mit 6 TB. Am 20. April 2020 räumte Western Digital das öffentlich ein, nachdem Nutzer reihenweise über abgebrochene Rebuilds in ZFS- und Synology-Verbünden berichtet hatten.
Am 23. Juni 2020 stellte Western Digital die WD Red Plus vor: dieselbe Serie, aber ausdrücklich als CMR gekennzeichnet. Die einfache WD Red ohne Zusatz blieb SMR. Heute ist die einfache WD Red faktisch vom Markt verdrängt, es kursieren nur noch Restbestände. Kein aktuelles Modell der Red Plus oder Red Pro ist SMR.
Seagate und Toshiba waren von diesem Vorgang nicht betroffen. Seagates offizielle CMR/SMR-Liste weist die komplette IronWolf- und IronWolf-Pro-Reihe als CMR aus.
Wo SMR heute noch lauert
Der Skandal ist aufgeräumt, die Gefahr nicht. SMR steckt weiterhin in den günstigen Desktop- und Archivserien, und zwar genau in den Kapazitäten, die man für ein NAS kaufen würde.
- Seagate BarraCuda 3,5 Zoll: die 4-TB- und die 8-TB-Variante sind SMR. Das sind zwei der beliebtesten Kapazitäten überhaupt, und die BarraCuda ist regelmäßig im Angebot. Die Regel lautet deshalb schlicht: keine BarraCuda ins NAS.
- Externe Festplatten zum Ausschlachten (Shucking): Was in einem externen Gehäuse steckt, wissen Sie erst nach dem Öffnen. Manche Serien enthalten sehr gute CMR-Laufwerke, andere SMR. Ein Kauf auf Verdacht ist bei einem RAID-Verbund keine gute Idee.
- Gebrauchte oder graue Ware ohne klare Modellnummer. Ohne Modellnummer keine Aussage.
So prüfen Sie ein Laufwerk vor dem Kauf
Verlassen Sie sich nicht auf den Produktnamen im Shop, sondern auf die vollständige Modellnummer. Sie steht im Datenblatt, auf dem Etikett des Laufwerks und in den technischen Daten seriöser Händler.
- Schritt 1: Modellnummer notieren, zum Beispiel WD80EFPX oder ST8000VN004.
- Schritt 2: Die offizielle CMR/SMR-Übersicht des Herstellers aufrufen. Seagate und Western Digital veröffentlichen beide eine Liste, in der jedes Modell mit seinem Aufzeichnungsverfahren steht. Toshiba nennt es im Datenblatt der jeweiligen Serie.
- Schritt 3: Im Zweifel eine Serie wählen, bei der es keinen Zweifel gibt. IronWolf, IronWolf Pro, WD Red Plus, WD Red Pro, Toshiba N300 und N300 Pro sind durchgängig CMR.
Ein bereits eingebautes Laufwerk lässt sich übrigens nicht zuverlässig per Software als SMR identifizieren. Die Platte meldet sich nach außen als ganz normales Blockgerät, das ist ja gerade der Sinn von device-managed SMR. Bleiben Sie bei der Modellnummer.
Und wenn schon SMR-Platten im NAS stecken?
Keine Panik, aber auch keine Untätigkeit. Ein SMR-Laufwerk im laufenden Betrieb verliert keine Daten, es ist nur beim Schreiben unter Dauerlast langsam und unzuverlässig im Zeitverhalten. Kritisch wird es genau dann, wenn ein anderes Laufwerk ausfällt und der Verbund neu aufgebaut werden muss.
Sinnvoller Plan: Sorgen Sie zuerst für ein aktuelles externes Backup. Tauschen Sie dann die SMR-Laufwerke nacheinander gegen CMR-Modelle, und lassen Sie jeden Wiederherstellungsvorgang vollständig durchlaufen, bevor Sie die nächste Platte anfassen. Rechnen Sie beim Rebuild auf die SMR-Platte mit deutlich längeren Laufzeiten als gewohnt.
Für reine Archiv- oder Backup-Ziele ohne RAID, auf die einmal geschrieben und danach nur gelesen wird, ist SMR dagegen unkritisch. Das ist der Einsatzzweck, für den die Technik gedacht war.
Geprüfte CMR-Festplatten für den NAS-Einsatz
Nur Modelle, die vom Hersteller ausdrücklich als CMR geführt werden. SMR-Laufwerke sind in dieser Liste bewusst nicht enthalten.
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Häufige Fragen
Woran erkenne ich, ob eine Festplatte SMR ist?
Nur an der vollständigen Modellnummer und der offiziellen CMR/SMR-Liste des Herstellers. Der Produktname reicht nicht, und Software kann es nach dem Einbau nicht zuverlässig auslesen, weil sich ein device-managed SMR-Laufwerk nach außen wie ein normales Laufwerk verhält.
Ist die WD Red heute noch SMR?
Die einfache WD Red ohne Zusatz war SMR, konkret die Modelle WD20EFAX, WD30EFAX, WD40EFAX und WD60EFAX. Sie ist inzwischen faktisch vom Markt verdrängt, im Handel finden sich nur noch Restbestände. WD Red Plus und WD Red Pro sind durchgängig CMR, dort ist kein aktuelles Modell betroffen.
Sind alle IronWolf-Festplatten CMR?
Ja. Nach Seagates offizieller CMR/SMR-Liste ist die gesamte IronWolf- und IronWolf-Pro-Reihe CMR. SMR setzt Seagate in anderen Serien ein, unter anderem in der BarraCuda 3,5 Zoll mit 4 TB und 8 TB.
Kann ich CMR- und SMR-Platten im selben NAS mischen?
Möglich, aber nicht empfehlenswert. Im selben RAID-Verbund bestimmt das langsamste Laufwerk die Wiederherstellungszeit, und genau darum geht es. Wenn überhaupt, dann SMR nur in einem separaten Volume ohne Redundanz, das rein archiviert.
Ist SMR generell schlecht?
Nein. Für Archive, die einmal beschrieben und danach überwiegend gelesen werden, funktioniert SMR gut und ist pro TB günstiger. Das Problem entsteht durch dauerhaftes wahlfreies Schreiben, wie es bei einem RAID-Rebuild oder einem ZFS-Resilver auftritt.

Leon Fischer ordnet bei nas-rechner.de ein, welche Festplatten, welcher Arbeitsspeicher und welcher NVMe-Cache zu welchem NAS-Modell passen – und was die RAID-Wahl für die nutzbare Kapazität bedeutet. Bei pcbau-rechner.de beantwortet er dieselbe Frage für Grafikkarten und Prozessoren.