Nas-Rechner

SSD-Cache im NAS: wann er hilft und wann nicht

Porträt von Markus BrandtVon Markus Brandt · Redaktionell geprüft von Sabine Hoffmann · Aktualisiert
Kurz und knapp · Stand 29. August 2026

Ein SSD-Cache lohnt sich in einem Heim-NAS meist nicht. Er beschleunigt nur Daten, auf die wiederholt zugegriffen wird, und genau das ist bei einem Foto- und Videoarchiv, das man einmal beschreibt und selten wieder anfasst, praktisch nie der Fall. Sinnvoll wird ein Cache erst bei vielen kleinen, wiederkehrenden Zugriffen: virtuelle Maschinen, Datenbanken, iSCSI-Volumes, ein NAS mit vielen gleichzeitigen Nutzern. Investieren Sie das Geld stattdessen in Arbeitsspeicher: Unterhalb von 32 GB RAM bringt mehr RAM in einem ZFS-System immer mehr als ein L2ARC, der selbst rund 1 GB RAM je 50 GB Cache verbraucht.

Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

Was ein SSD-Cache tut, und was nicht

Ein Cache ist kein zusätzlicher Speicherplatz. Er ist eine schnelle Zwischenschicht, die häufig gebrauchte Daten vorhält, damit sie nicht von der langsamen Festplatte gelesen werden müssen. Er hilft ausschließlich bei Daten, die wiederholt angefasst werden.

Ein Lesecache (Read Cache) merkt sich, was oft gelesen wird. Er ist ungefährlich: Fällt die SSD aus, verlieren Sie nichts, das NAS liest wieder direkt von den Festplatten.

Ein Schreibcache (Read-Write Cache) nimmt Schreibvorgänge entgegen und schreibt sie später auf die Festplatten weg. Er ist schneller, aber gefährlich: Fällt die SSD im ungünstigen Moment aus, sind die noch nicht weggeschriebenen Daten verloren, und im schlimmsten Fall ist das Dateisystem beschädigt. Deshalb gilt: Ein Schreibcache nur im Spiegel aus zwei SSDs, niemals einzeln.

Und der Punkt, an dem die meisten Erwartungen scheitern: Ein Cache beschleunigt große sequenzielle Übertragungen kaum. Wenn Sie 200 GB Videomaterial aufs NAS kopieren, ist Ihr Netzwerk der Flaschenhals, nicht die Festplatte. Vier Festplatten im RAID 5 liefern locker 300 bis 500 MB/s sequenziell, ein 2,5GbE-Anschluss schafft rund 280 MB/s.

Wann sich ein SSD-Cache lohnt

  • Sie betreiben virtuelle Maschinen auf dem NAS. VMs erzeugen genau das Zugriffsmuster, für das ein Cache gebaut ist: viele kleine, wahlfreie Zugriffe auf denselben, überschaubaren Datenbestand.
  • Sie stellen iSCSI-Volumes für andere Rechner bereit.
  • Sie fahren Datenbanken oder Anwendungen mit vielen kleinen Schreibvorgängen, etwa einen Medienserver mit großer Bibliothek, dessen Metadatenbank ständig arbeitet.
  • Zehn oder mehr Nutzer greifen gleichzeitig auf dieselben Verzeichnisse zu, etwa in einem kleinen Büro.
  • Sie fahren ZFS und haben den Arbeitsspeicher bereits auf 32 GB oder mehr gebracht, und Ihr aktiv genutzter Datenbestand ist immer noch deutlich größer als der Arbeitsspeicher.

Wann er Geld verschwendet

  • Sie speichern Fotos, Videos, Musik und Dokumente und greifen darauf gelegentlich zu. Der Cache läuft mit Daten voll, die Sie danach monatelang nicht mehr anfassen, und liefert nichts.
  • Das NAS dient als Backup-Ziel. Backups sind große sequenzielle Schreibvorgänge, davon profitiert kein Cache.
  • Sie streamen Filme. Ein Videostream braucht vielleicht 30 Mbit/s. Jede Festplatte liefert das im Schlaf.
  • Ihr Netzwerk ist der Flaschenhals. Solange Sie mit 1GbE angebunden sind, also rund 110 MB/s, kann kein Cache der Welt etwas beschleunigen, was die Festplatten ohnehin schon dreimal schneller liefern.

In diesen Fällen gilt: Das Geld für zwei NVMe-SSDs ist in mehr Arbeitsspeicher oder in einer größeren Festplatte deutlich besser angelegt.

Die Alternative: NVMe als eigener Speicherpool

Interessanter als ein Cache ist es fast immer, die NVMe-Steckplätze als eigenständigen, schnellen Speicherplatz zu nutzen. Legen Sie darauf ein separates Volume an und schieben Sie genau die Dinge hinein, die von Geschwindigkeit profitieren: Docker-Container mit ihren Datenbanken, die Datenbank Ihres Medienservers, die Foto-Indexdatenbank, virtuelle Maschinen, ein Arbeitsverzeichnis für aktuelle Projekte.

Der Vorteil: Sie bekommen die Geschwindigkeit dort, wo Sie sie brauchen, deterministisch statt zufällig. Kein Cache, der erst warmlaufen muss, keine Ratespiele, welche Daten drin sind. Und die Festplatten bleiben für das, was sie gut können: große Datenmengen günstig und dauerhaft speichern.

Achtung bei Synology: Bei den 2025er Modellen sind M.2-NVMe-Laufwerke weiterhin auf die Kompatibilitätsliste beschränkt, und zwar sowohl für Cache als auch für einen eigenen Speicherpool. Die im Oktober 2025 mit DSM 7.3-81180 zurückgenommene Sperre betraf Festplatten und 2,5-Zoll-SATA-SSDs, nicht NVMe. Wer NVMe in einem aktuellen Synology einsetzen will, muss Synology-eigene Module kaufen und sollte den Aufpreis vor dem Gerätekauf einrechnen.

Welche SSD, wenn es denn eine sein soll

Wenn Sie sich für einen Cache oder ein NVMe-Volume entscheiden, wählen Sie die SSD nach Haltbarkeit, nicht nach Höchstgeschwindigkeit. Der Wert, auf den es ankommt, heißt TBW (Terabytes Written) und steht für die Datenmenge, die der Hersteller garantiert. Ein Cache schreibt permanent, das ist genau die Belastung, für die billige QLC-SSDs nicht gemacht sind.

  • Nehmen Sie TLC statt QLC. Der Unterschied in der Haltbarkeit ist erheblich.
  • Achten Sie auf einen DRAM-Cache auf der SSD. DRAM-lose Modelle brechen unter Dauerlast stark ein.
  • Kapazität: 500 GB bis 1 TB je SSD sind für die meisten Anwendungsfälle völlig ausreichend. Ein größerer Cache ist nicht automatisch ein besserer, und bei ZFS kostet jedes zusätzliche GB L2ARC wieder Arbeitsspeicher.
  • Für einen Schreibcache immer zwei SSDs im Spiegel. Für einen reinen Lesecache genügt eine.

NVMe-SSDs für Cache und Speicherpool

Achten Sie auf TBW und TLC-Speicher statt QLC. Bei Synology-Modellen von 2025 sind nur gelistete NVMe-Module nutzbar.

ModellKapazitätPreis
Crucial P3 500GB M.2 PCIe Gen3 NVMe Interne SSD 3D NAND, bis zu 3500MB/s - CT500P3SSD80,5 TB135 €Bei Amazon
Kingston NV3 NVMe PCIe 4.0 Interne SSD 1TB M.2 2280-SNV3S/1000G1 TB146 €Bei Amazon
Synology SNV3400-400G - Solid State Drive - 400 GB - internal - M.2 2280 - PCI Express 3.0 x4 (NVMe) - for Disk Station DS1618+, DS1819+, DS2419+, RackStation RS2818RP+, RS820+, RS820RP+0,4 TB176 €Bei Amazon
Samsung 990 PRO NVMe M.2 SSD , 1 TB, PCIe 4.0, 7.450 MB/s Lesen, 6.900 MB/s Schreiben, Interne SSD für Gaming und Videobearbeitung, Schwarz, MZ-V9P1T0BW1 TB189 €Bei Amazon
WD Red SN700 500GB NVMe SSD for NAS devices, with robust system responsiveness and exceptional I/O performance0,5 TB195 €Bei Amazon
Kingston NV3 NVMe PCIe 4.0 Interne SSD 1TB M.2 2230-SNV3SM3/1T01 TB211 €Bei Amazon
Samsung 990 PRO NVMe M.2 SSD mit Heatsink, 1 TB, PCIe 4.0, 7.450 MB/s Lesen, 6.900 MB/s Schreiben, Interne SSD für PC-/Konsolen-Gaming und Videobearbeitung, MZ-V9P1T0CW1 TB234 €Bei Amazon
Samsung 990 EVO 1TB PCIe Gen 4.0 x 4 NVMe M.2 (2280) Max 5000MB/s interne SSD MZ-V9E1T0B-IT/EC1 TB250 €Bei Amazon
WD Red SN700 1TB NVMe SSD for NAS devices, with robust system responsiveness and exceptional I/O performance | devices, system, exceptional, performance |1 TB257 €Bei Amazon
Samsung 980 PRO NVMe M.2 SSD, 1 TB, PCIe 4.0, 7.000 MB/s Lesen, 5.000 MB/s Schreiben, Interne SSD für Gaming und Videobearbeitung, MZ-V8P1T0BW1 TB265 €Bei Amazon

Weiterlesen

Häufige Fragen

Bringt ein SSD-Cache im NAS überhaupt etwas?

Nur bei wiederholten Zugriffen auf dieselben Daten: virtuelle Maschinen, Datenbanken, iSCSI, viele gleichzeitige Nutzer. Für ein Foto- und Videoarchiv oder als Backup-Ziel bringt er praktisch nichts, weil diese Daten sequenziell geschrieben und selten wieder gelesen werden.

Wie groß sollte der SSD-Cache sein?

500 GB bis 1 TB reichen fast immer. Der Cache muss nur den aktiv genutzten Teil Ihrer Daten fassen, nicht den gesamten Bestand. Bei ZFS gilt zusätzlich: Jedes GB L2ARC kostet Arbeitsspeicher, ungefähr 1 GB RAM je 50 GB Cache.

Ist ein Schreibcache gefährlich?

Ja, wenn er aus einer einzigen SSD besteht. Fällt sie aus, bevor die Daten auf die Festplatten geschrieben wurden, sind diese Daten verloren und das Dateisystem kann beschädigt werden. Betreiben Sie einen Schreibcache immer als Spiegel aus zwei SSDs. Ein reiner Lesecache ist dagegen ungefährlich.

Kann ich bei Synology beliebige NVMe-SSDs verwenden?

Bei den 2025er Modellen nicht. M.2-NVMe bleibt listenpflichtig, sowohl als Cache als auch als eigener Speicherpool. Die Lockerung von DSM 7.3-81180 im Oktober 2025 betraf nur Festplatten und 2,5-Zoll-SATA-SSDs. Ältere Modelle wie DS923+ waren nie eingeschränkt.

Mehr RAM oder ein SSD-Cache: was zuerst?

Erst der Arbeitsspeicher. Bei ZFS ist der ARC im RAM der primäre Lesecache und um Größenordnungen schneller als jede SSD. Unter 32 GB RAM bringt zusätzlicher Arbeitsspeicher immer mehr als ein L2ARC, der selbst wieder RAM für seine Verwaltungstabellen frisst.

Über den Autor
Porträt von Markus Brandt
Markus Brandt
Redakteur für Hardware & Effizienz

Markus Brandt betreut bei nas-rechner.de den Bereich Heimserver-Hardware und Effizienz – vom passenden Netzteil über die USV bis zur Frage, was ein NAS im Dauerbetrieb wirklich verbraucht. Er schreibt auch bei pcbau-rechner.de über Netzteile und Effizienz.

Porträt von Sabine HoffmannRedaktionell geprüft von Sabine Hoffmann, Chefredakteurin