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Unraid oder TrueNAS: die Entscheidung

Porträt von Markus BrandtVon Markus Brandt · Redaktionell geprüft von Sabine Hoffmann · Aktualisiert
Kurz und knapp · Stand 29. August 2026

Nehmen Sie Unraid, wenn Ihre Festplatten unterschiedlich groß sind oder es später werden: Bei Unraid kostet das nichts, und Sie erweitern jederzeit um eine einzelne Platte. Nehmen Sie TrueNAS SCALE, wenn Sie ein Set gleich großer Laufwerke gekauft haben und Datenintegrität an erster Stelle steht: ZFS mit Prüfsummen, Selbstheilung und Snapshots ist überlegen, und TrueNAS ist kostenlos, während Unraid eine Lizenz kostet.

Der eine Unterschied, aus dem alle anderen folgen

Bei Unraid behält jede Datenplatte ihr eigenes Dateisystem. Eine Datei liegt vollständig auf genau einem Laufwerk, und die Paritätsplatte berechnet die Quersumme über alle anderen. Bei TrueNAS verteilt ZFS jede Datei über alle Laufwerke des Verbunds. Sie liegt nirgends ganz.

Aus diesem einen Unterschied folgt fast alles Weitere. Weil Unraid-Platten unabhängig sind, dürfen sie unterschiedlich groß sein. Weil ZFS-Platten zusammenarbeiten, müssen sie gleich groß sein. Weil ZFS parallel über alle Platten schreibt, ist es schnell. Weil Unraid nur auf eine Platte plus Parität schreibt, ist es langsam.

Für Unraid spricht

  • Gemischte Festplattengrößen kosten nichts. Eine 4-TB-, eine 8-TB- und eine 14-TB-Platte ergeben 26 TB Nutzdaten. Einzige Bedingung: Die Paritätsplatte muss mindestens so groß sein wie die größte Datenplatte.
  • Erweitern ist trivial. Eine Platte dazustecken, zuweisen, fertig. Kein Umbau des Verbunds, kein Umkopieren.
  • Ein doppelter Ausfall ist kein Totalverlust. Fallen bei einfacher Parität zwei Platten aus, verlieren Sie die Daten der zweiten ausgefallenen Platte. Die Daten auf allen anderen Laufwerken bleiben lesbar, weil sie dort vollständig und unabhängig liegen. Bei RAID-Z1 wäre der gesamte Verbund verloren.
  • Nicht benötigte Platten können schlafen. Weil eine Datei auf genau einem Laufwerk liegt, muss beim Lesen nur dieses eine Laufwerk anlaufen. Das spart im Alltag spürbar Strom.
  • Docker und virtuelle Maschinen sind gut integriert, und der Community-App-Store ist der komfortabelste im Feld.

Gegen Unraid spricht

  • Die Schreibgeschwindigkeit. Ohne Cache-Laufwerk landen Sie bei rund 40 bis 60 MB/s, weil für jeden Schreibvorgang die Parität gelesen, neu berechnet und zurückgeschrieben werden muss. Deshalb ist ein NVMe-Cache-Laufwerk bei Unraid keine Kür, sondern Standardausrüstung. Rechnen Sie es fest in Ihr Budget ein.
  • Es kostet Geld. Unraid ist lizenzpflichtig, TrueNAS ist kostenlos.
  • Keine Prüfsummen auf Dateiebene im klassischen Array. Stille Datenfehler, die ZFS erkennen und selbst reparieren würde, bemerkt Unraid im Standardaufbau nicht.

Für und gegen TrueNAS

Für TrueNAS spricht ZFS, und das ist ein gewichtiges Argument. Jeder Datenblock trägt eine Prüfsumme. Erkennt ZFS beim Lesen eine Abweichung, holt es sich die intakte Kopie aus der Parität und repariert den Block automatisch. Snapshots sind praktisch kostenlos und der wirksamste Schutz gegen Verschlüsselungstrojaner. Dazu kommt hohe Schreib- und Leseleistung, weil alle Platten parallel arbeiten. Und es kostet nichts.

Gegen TrueNAS spricht die Starrheit. Gemischte Laufwerksgrößen sind teuer: In einem RAID-Z-Verbund zählt jede Platte nur so viel, wie die kleinste fasst. Eine 4-TB-Platte zwischen 12-TB-Platten verschenkt bei jeder anderen Platte 8 TB. Auch das Erweitern ist umständlich: Historisch hieß das, alle Platten des Verbunds nacheinander gegen größere zu tauschen. Außerdem will ZFS ECC-Speicher, und ein doppelter Ausfall bei RAID-Z1 bedeutet den Verlust des gesamten Verbunds, nicht nur einer Platte.

Was der Vergleich im Alltag bedeutet

Ein Beispiel macht den Unterschied greifbar. Nehmen wir vier Platten mit 4, 8, 12 und 12 TB, wie sie sich über die Jahre ansammeln.

  • Unter Unraid nehmen Sie eine der 12-TB-Platten als Parität. Nutzbar bleiben 4 + 8 + 12 = 24 TB. Nichts ist verschenkt.
  • Unter TrueNAS in einem RAID-Z1-Verbund richtet sich alles nach der kleinsten Platte. Vier mal 4 TB abzüglich einer Platte Parität ergibt 12 TB nutzbare Kapazität. Sie verschenken die Hälfte Ihres Blechs.

Kaufen Sie dagegen vier neue 12-TB-Platten, dreht sich das Bild: TrueNAS liefert in RAID-Z1 rund 36 TB, ist beim Schreiben um ein Vielfaches schneller, braucht kein Cache-Laufwerk und kostet keine Lizenz. Der Nachteil von ZFS verschwindet in dem Moment, in dem alle Platten gleich groß sind.

Die Kostenfrage sieht deshalb auch anders aus, als sie zunächst wirkt: Unraid kostet Lizenz plus NVMe-Cache, TrueNAS kostet nichts, verlangt aber unter Umständen, dass Sie Platten kaufen, die Sie schon hätten.

Die Entscheidung in zwei Sätzen

Haben Sie eine gewachsene Sammlung unterschiedlich großer Platten, wollen Sie jederzeit einzeln erweitern und liegt der Schwerpunkt auf Medien, die groß sind und selten geschrieben werden: Unraid. Der Aufpreis für Lizenz und Cache-Laufwerk kauft Ihnen echte Flexibilität.

Kaufen Sie vier oder sechs gleich große Platten neu, sind Ihre Daten unersetzlich und wollen Sie Snapshots und Selbstheilung: TrueNAS SCALE. Sie zahlen nichts, bekommen das bessere Dateisystem und akzeptieren dafür, dass der Verbund weitgehend so bleibt, wie Sie ihn angelegt haben.

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Häufige Fragen

Ist Unraid oder TrueNAS besser für Anfänger?

Unraid, weil es gemischte Platten akzeptiert, das Erweitern trivial ist und die App-Verwaltung sehr zugänglich wirkt. TrueNAS verlangt mehr Planung im Voraus, ist dafür aber kostenlos.

Kann ich bei Unraid Festplatten unterschiedlicher Größe mischen?

Ja, das ist die zentrale Stärke von Unraid. Jede Datenplatte behält ihr eigenes Dateisystem. Einzige Regel: Die Paritätsplatte muss mindestens so groß sein wie die größte Datenplatte.

Warum ist Unraid beim Schreiben so langsam?

Bei jedem Schreibvorgang muss die Parität gelesen, neu berechnet und zurückgeschrieben werden. Ohne Cache landen Sie bei rund 40 bis 60 MB/s. Ein NVMe-Cache-Laufwerk löst das Problem und gilt bei Unraid als Pflichtausrüstung.

Was passiert bei Unraid, wenn zwei Platten gleichzeitig ausfallen?

Bei einfacher Parität verlieren Sie nur die Daten der zweiten ausgefallenen Platte. Alle anderen Laufwerke bleiben lesbar, weil ihre Dateien vollständig auf ihnen liegen. Bei RAID-Z1 wäre in derselben Situation der komplette Verbund verloren.

Kostet TrueNAS Geld?

Nein, TrueNAS SCALE ist kostenlos. Unraid dagegen ist lizenzpflichtig. Rechnen Sie bei Unraid zusätzlich das praktisch notwendige NVMe-Cache-Laufwerk ein.

Brauche ich für Unraid auch ECC-RAM?

Unraid stellt an ECC deutlich geringere Ansprüche als ZFS, weil es keine Prüfsummen im Arbeitsspeicher berechnet, von denen die Integrität des gesamten Verbunds abhängt. Empfehlenswert bleibt ECC trotzdem.

Über den Autor
Porträt von Markus Brandt
Markus Brandt
Redakteur für Hardware & Effizienz

Markus Brandt betreut bei nas-rechner.de den Bereich Heimserver-Hardware und Effizienz – vom passenden Netzteil über die USV bis zur Frage, was ein NAS im Dauerbetrieb wirklich verbraucht. Er schreibt auch bei pcbau-rechner.de über Netzteile und Effizienz.

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